„Der Katholizismus kann so einfach sein“ - 2017    
Mit diesen Worten überschrieb die FAZ einmal einen Artikel über den Romantiker Clemens von Brentano, in dessen Nachlass man einen höl­zernen Rosenkranz fand. Und tatsächlich: Mit dem Rosenkranz hat man den katholischen Glauben sozusagen in der Hand: Den dreifalti­gen Gott, Jesus und Maria. Und man hat ein Gebet, das zugleich Meditation und Kontempla­tion ist. Denn die 50 Ave-Maria, die wir da spre­chen, sind ja kein Plappern und Anhäufen von Worten, die Gott eh schon kennt, sondern helfen uns, uns tiefer mit Gott und mit dem, was er uns in Jesus Christus geschenkt hat, zu verbinden. So schauen wir im Rosenkranz hin auf die Men­schwerdung Jesu (freudenreiche Geheimnisse), auf sein Leben (lichtreicher Rosenkranz), auf sein Leiden, Sterben und Auferstehen (schmerz­hafte und glorreiche Geheimnisse) und schließ­lich auf die Vollendung unseres Lebens und das der ganzen Welt (trostreicher Rosenkranz).

Unzählige Heilige haben uns dieses Gebot emp­fohlen. Nur zwei möchte ich hervorheben. Das eine ist mein Lieblingsheiliger Don Bosco, der in all seinem rastlosen Tun für junge Menschen im Turin des 19. Jahrhunderts den täglichen Ro­senkranz nur ganz selten vergessen hat. Einmal schreibt er: „Auf den Rosenkranz ist mein Werk gegründet. Ich bin entschlossen, viele andere Übungen zu unterlassen, aber nicht diese. Ich sehe im Rosenkranz den Bankrott des Teufels.“ Der andere Heilige, den ich nennen möchte, ist der heilige Papst Johannes Paul II. Oft hat er davon gesprochen, dass der Rosenkranz sein Lieblingsgebet sei und er hat es privat und auf seinen vielen Reisen immer und immer wieder gebetet. In einem seiner Schreiben bezeichnet er den Rosenkranz als einen

„Schatz, der wie­derentdeckt werden muss.“

Und gewiss trifft dies auf unsere Region, auf die westlichen Länder zu. Da hat man den Rosenkranz schon fast verloren. Gewiss: Man schenkt ihn (immer noch) gerne zur Erstkommunion und in erstaunlich vielen Autos sieht man ihn aufgehängt am In­nenspiegel. Aber gebetet wird er eben nur noch selten. Wir haben da unsere Ausreden: Das ist von gestern. Das ist doch Geplapper. Das ist polnische oder südamerikanische Frömmigkeit, zu uns passt es nicht. Das geht nicht zusammen mit der Ökumene. Das ist Kindern und Jugendli­chen nicht zuzumuten ...

Aber mit all diesen „Ausreden“ verpassen wir die Chance dieses Gebet in seiner Einfachheit und Frische kennenzulernen. Den Katholizismus zu spüren, der beim Beten so einfach sein kann. Den Oktober nennen wir in unserer Kirche auch den Rosenkranzmonat. Sie werden es an der Gottesdienstordnung merken. Noch mehr als sonst beten wir den Rosenkranz.

Seien Sie doch einfach einmal dabei.

Ihr Martin Weber, Pfarrer

Scroll to top