Die Gemeinschaft der Heiligen und der Dreiklang „Triathlon von Selbst-, Nächsten- und Gottesliebe“

Das war ein spektakulärer Sieg und Rekord: In ziemlich genau 8 Stunden hat Patrick Lange den Ironman in Hawaii gewonnen. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Fahrradfahren und 42 Kilometer laufen – und das Ganze bei tropischen Temperaturen. Vor kurzem durfte sich Lange in das Goldene Buch seiner Heimatstadt Darmstadt eintragen. Dabei erzählte er folgende Geschichte: Ungefähr bei Kilometer 5 des Marathons – da hatte Lange noch neun Minuten Rückstand auf die Spitze – habe ihm ein Zuschauer im Trikot von Darmstadt 98 zugerufen: „Johnny ist bei dir!“ Dazu muss man wissen: Johnny, Jonathan Heimes, war ein großer Fan der Darmstädter. Schon schwer an Krebs erkrankt, rief er die Initiative ins Leben: Dumusstkämpfen. Auch nach seinem Tod ist er dort unvergessen. Und Lange sagt: Das habe ihn gepusht, geholfen, ihn zum Sieg getragen. „Es hat sich angefühlt“, so sagt er, „als ob mich ab diesem Moment jemand noch ein bisschen geschoben hätte“. Und so schreibt er ins Goldene Buch: „Danke Jonathan Heimes, dass Du mich auf der Strecke begleitet hast. Dein Weltmeister Patrick Lange.“

Liebe Schwestern und Brüder,
ich habe keine Ahnung, ob Patrick Lange sich selbst als religiös bezeichnen würde oder einer Kirche angehört. Aber das, was er sagt ist für mich eine wundervolle Umschreibung dessen, was wir am 1. November feiern und in jedem Credo bekennen, dass wir nämlich an die Gemeinschaft der Heiligen glauben. (Der christliche Gott ist von Anfang an kein „einsamer“ Gott. Schon in sich ist er Gemeinschaft und Liebe zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist. Und er ist nicht denkbar ohne die Vielen, die zu ihm gehören. Die Gemeinschaft der Heiligen eben.)  Dazu gehören alle, die in der Taufe mit Gott verbunden sind und alle, die in der Messe diese Verbundenheit feiern. Also wir! Dazu gehören natürlich die vielen großen und kleinen Heiligen. Die, deren Namen wir kennen und die, die unbekannt sind, deren Namen aber im Buch des ewigen Lebens eingetragen sind.

Dazu gehören auch unsere Verstorbenen. Ich weiß, das klingt für viele unrealistisch. Die meisten Menschen denken: Mit dem Tod ist alles aus. Wenn wir das auch denken würden, dann könnten wir den Laden zumachen. Unser Glaube ist aber ein anderer: Gott ist ein Gott des Lebens. Und seine Liebe endet nicht an der Grenze des Todes. Die Verstorbenen – und das ist einer meiner Lieblingsformulierungen – gehen uns nur voraus. Irgendwann – und niemand von uns weiß die Stunde, außer Gott – werden wir ihnen folgen. Die Grenze zwischen Tod und Leben ist deshalb keine absolute. Aber das alles nicht im Sinne esoterischer Spinnereien oder eines Flaschendrehens für Erwachsene. Sondern im Glauben an den Gott, der Zeit und Ewigkeit vereinigt. Im Glauben an Gott, der eine große Gemeinschaft um sich versammelt, die „Gemeinschaft der Heiligen“

Und im Übrigen: vielleicht haben wir ja schon Ähnliches erfahren wie Patrick Lange. Wenn wir gespürt haben: Da waren wir in einer bestimmten Situation nicht allein, da fühlten wir, dass uns jemand beschützt oder puscht. . Da waren wir am Grab und haben gemerkt: Der geliebte Mensch ist uns fern und doch auch so nah. Gegen die Angst, die in jedem von uns lauert: „Im letzten bist du mutterseelenallein“, sagt uns unser Glaube: „Du bist hineingenommen in die große Gemeinschaft der Heiligen!“

Und sie helfen uns, dass wir im Triathlon unseres Lebens nicht versagen. Was dieser Triathlon ist, das sagt uns Jesus im heutigen Evangelium. „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Und deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.“

Diese drei Übungen und Disziplinen machen den Christen aus.

„Gott lieben“ im Gebet, in der Mitfeier der Messe, in der Achtsamkeit dafür, in allen Dingen Gott zu suchen.

„Den Nächsten lieben“ ist immer konkret und deshalb einfach und schwer zugleich. Denn da geht es um Menschen, die mir wirklich am „nächsten“ sind, aber nicht im Sinne der Sympathie, sondern ganz schlicht: sie sind uns nah.

„Wie dich selbst“ – diese dritte Disziplin hat man oft vergessen. Aber Selbstliebe und Selbstannahme sind keine Erfindung des Teufels, sondern ein Geschenk Gottes. Wer sich selbst nicht mag, wird auch andere nicht mögen und dessen Gottesliebe ist allzu oft verkrampft und unecht.

Liebe Mitchristen,
ich wünsche Ihnen und mir viel Erfolg im Triathlon unseres Lebens und Glaubens. Dass wir Gott lieben, unseren Nächsten und uns selbst. Und dass wir bei alldem die Gewissheit haben dürfen, hineingenommen zu sein in eine große Gemeinschaft, die noch nicht einmal durch den Tod unterbrochen wird. Und der Gott zugesagt hat, dass Er in ihr einmal „alles in allem“ sein wird.    
Amen

Ihr Martin Weber, Pfarrer

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