Zumutungen 2017

Von diesen kann jeder erzählen. Zumutungen sind zuerst einmal Belastungen. Niemand sucht sich Zumutungen aus. Aber sie wecken auch etwas in uns: Kräfte und die Bereitschaft, sich nicht unterkriegen zu lassen. Den Mut, Dinge anzunehmen und zu gestalten.

Von Zumutungen spricht auch unser Bischof, Peter Kohlgraf in einem adventlichen Brief an die Gemeinden im Bistum Mainz. Gott, so sagt un­ser Bischof, mutet der Kirche in unserer Zeit einiges zu. Vor allem Veränderungen. Wir spüren das in unseren Gemeinden. Die Zahlen sinken weiter: Die der Gottesdienstbesucher, die der Ehrenamtlichen, die der Priester. Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, das sei in Heusenstamm doch noch ganz komfortabel, der Eindruck täuscht. Der Abbruch beginnt ganz vorne. Immer weniger Brautpaare heiraten kirchlich – trotz unserer „Hochzeitskirche“ St. Cäcilia – und immer weniger – noch selbst getaufte – Eltern lassen ihre Kinder taufen. Das alles ist schon lange bekannt, aber jetzt schlägt es immer mehr durch.

Auch das Bistum Mainz wird in dieser Zeit nicht darum herumkommen, sich neu zu organisieren. Größere Einheiten und Zusammenlegungen. Reduzierung von Immobilien. Große Anstrengungen im Bereich der Finanzen. In der Tat, da wird uns einiges zugemutet werden. Aber genau das ist die Zeit, in die Gott uns hineingestellt hat. Nicht um zu klagen und mutlos zu sein, sondern zu schauen: Was gibt es an Wertvollem und Wichtigen in unseren Gemeinden? Was ist die Glut, die wir immer noch in uns tragen und die wir neu entfachen können? Es nützt nichts, nur der Asche hinterher zu trauern, es geht um die Glut. Das meinen wir, wenn wir von der (lebendigen) Tradition sprechen.

Im Advent lädt uns die Kirche ein, zu wachen und zu beten. Wachen bedeutet aufmerksam zu sein für Gottes oft leise Stimme. Was sagt Er zu uns in diesen Zeiten des Umbruchs? Bischof Kohlgraf zitiert den früheren Kardinal von Paris, Kardinal Lustiger, der einmal geschrieben hat: „Das Christentum in Europa steckt noch in den Kinderschuhen, seine große Zeit liegt noch vor uns! Eine Kirche, die der Überzeugung wäre, ihre große Zeit liege hinter ihr und sie habe jetzt nur noch das Schlimmste zu verhüten ... hätte geistig kapituliert und wäre damit auch als Kultur prägende Kraft am Ende. Im Gegenteil, die Kraft muss neu entwickelt werden, auch die gegenwärtige Kultur, das Den­ken, die Wirklichkeit ... aus dem Geist des Evangeliums neu prägen zu können.“

Gott mutet und traut uns vieles zu, so schreibt Kohlgraf am Ende seines Briefes. Auch hier in Heusenstamm. Auch in unseren Gruppierungen und Familien. Jedem einzelnen. So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit und eine gute Vorbereitung auf das kommende Weihnachtsfest.

Ihr Martin Weber,
Pfarrer

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