Drunter und drüber“

geht´s zurzeit in der deutschen Bischofskonferenz. Da ist ein Hauen und Stechen, wie man es lange nicht mehr erlebt hat. Und man merkt, dass ein Mann wie der verstorbene Kardinal Lehmann fehlt, dem es gelang, Gegensätze zu moderieren und verschiedene Positionen im Dialog zu halten.

Da ist zum einen der Streit ums Kreuz. Die Bayerische Landesregierung hat vorgeschrieben, dass in allen Behörden ein Kreuz zu hängen habe. Natür­lich hat das mit Politik, Wahlkampf und Taktik zu tun. Trotzdem erachte ich es als „delikat“, um ein harmloses Wort zu gebrauchen, dass ausgerechnet der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz das ungewöhnlich scharf kritisiert und meint, dass es dadurch zu „Spaltung und Unruhe“ kommt. Da­mit reiht Marx sich ein in die Mainstream-Argumentation, die aber oft nur eine totale Trennung von Staat und Kirche anzielt und das Kreuz am liebsten ganz aus der Öffentlichkeit verbannen möchte. Dann wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis es auch den Herrgottswinkeln in den bayerischen Gasthäusern an „den Kragen geht“. Da ist mir die Argumentation Söders, und wenn sie noch so sehr vom Wahlkampf motiviert sein mag, viel näher: Das Kreuz sei ein Zeichen, das zur Identität unseres Landes gehört. Wer das ausblende, mache es zu einem bloßen Siedlungsraum, der sich von seinen Wurzeln und Werten entfremdet habe und eben gerade nicht mehr das ist, was Menschen brauchen, nämlich „Heimat“. Offensichtlich sieht das auch der Regensburger Bischof so, der das Aufhängen von Kreuzen - übrigens nicht Kruzifixe – ausdrücklich begrüßt. Und noch an einer anderen Stelle hakt es. In der Frage der Eucharistie - Zulassung für evangelische Partner konfessionsver­schiedener Ehen. Wie manche meinen „überhastet“ sollte ein Erlass herausgegeben werden, der eine weitgehende „Einzelfallregelung“ vorsah. Sieben Bischöfe, an der Spitze Kardinal Woelki, finden dieses Vorgehen falsch und haben sich an den Papst gewandt mit der Bitte um theologische Klärung. Jedem Interessierten ist einsehbar, dass das eine drängende Frage ist, gerade für Eheleute die in „ihrer“ Kirche beheimatet sind. Aber man möge auch den sieben Bischöfen abnehmen, dass sie sich nicht aus „Spaß an der Freude“ nach Rom gewandt haben. Vielmehr geht es hier um die Eucharistie, das „Allerheiligste“, das der Kirche geschenkt ist. Da haben theologische und taktische Tricksereien keinen Platz und wenn nötig, muss um den rechten Weg gestritten werden. Wenn Bischof Feige in der „Zeit“ eine solche Diskussion „makaber und beschämend“ nennt, finde ich das mehr als seltsam. Der Papst zumindest hat inzwischen ein Gespräch angemahnt, das darauf achtet die Einheit zu wahren.

Dass es „drunter und drüber“ geht, das kommt in den besten Familien vor. Warum nicht auch in der Deutschen Bischofskonferenz? Das kommende Pfingstfest ist ein guter Anlass, um den Geist Gottes zu beten. Diesen Geist, der Wahrheit und Klarheit schenkt und zur Einheit zusammenführt.

Ihr Martin Weber,
Pfarrer

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