Zum 20. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B 2018 (19.08.2018):
Eucharistiegemeinschaft - Glaubensgesmeinschaft

Schon den vierten Sonntag in Folge, liebe Schwestern und Brüder, hören wir im Evangelium vom „Brot des Lebens“!

Und was damit gemeint ist, sagt Jesus sehr deutlich: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch. Ich gebe es hin für das Leben der Welt“. Mit anderen Worten: Jesus identifiziert das Brot mit sich selber. Ein ungeheuerliches Wort. Und das empfinden die Menschen damals auch so. Sie streiten darüber, wie er das gemeint hat. Und Jesus legt nach: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habe ihr das Leben nicht in euch!“ Man möchte ihm zurufen: Mach mal halblang.  Und hätten es wohl auch gerne etwas vergeistigter, weniger Anstoß- erregend. Doch damit kann uns der Evangelist Johannes nicht dienen. Schon im Anfang seines Evangeliums heißt es im Prolog von Jesus: „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Das heißt doch nichts anderes als: Gott wird Mensch, einer von uns. Er ist mehr als eine Idee, sondern Person: mit Fleisch und Blut. Und wenn Christen schon in frühesten Zeiten Eucharistie feiern, dann ist das die Feier der Gegenwart Christi. Nicht bloß in der Erinnerung, nicht bloß vergeistigt.  Sondern mit seiner ganzen Person, mit Fleisch und Blut ist der Herr da gegenwärtig.

So zumindest verstehen es katholische und orthodoxe Christen. Das merkt man schon rein äußerlich. Katholische und orthodoxe Kirchen sind nur von daher zu verstehen, dass dort Eucharistie, das Sakrament des Leibes und Blutes Christi, gefeiert wird. In katholischen Kirchen ist alles zentriert auf den Altar und der Tabernakel erinnert daran: dies ist ein heiliger Raum. In den orthodoxen Kirchen ist der Altarraum meistens abgetrennt und durch eine  prächtige Ikonostase: das Geheimnis der Eucharistie wird den Blicken der Gläubigen entzogen, um aber gerade dadurch  noch viel präsenter zu werden. Und das Äußere spiegelt sich in der Theologie:  Kirche wird nach katholischem und orthodoxen Verständnis aufgebaut von der Feier der Eucharistie her. Indem wir in der Eucharistie den wahren Leib des Herrn empfangen, werden wir eingegliedert in den großen Leib der Kirche. Das 2. Vatikanische Konzil nennt die Eucharistie deshalb Quelle und Höhepunkt allen kirchlichen Lebens. Der Bischof von Köln, Kardinal Woelki drückt es so aus: „Von der Eucharistie her wird die Kirche auferbaut. Wer  deshalb den Leib des Herrn empfängt und zuvor, An Ende des eucharistischen Hochgebetes sein zustimmendes Amen gesprochen hat, der sagt Ja und Amen dazu, dass Jesus wahrhaft gegenwärtig ist und nicht nur in einem übertragenen Sinn.“

Evangelische Christen haben ein anderes Verständnis. Das aber gar nicht auf einen Nenner zu bringen ist. Denn da gibt es eine Vielzahl von Verständnissen. Während Martin Luther sein Leben lang daran festgehalten hat, dass Jesus in der Eucharistie wirklich gegenwärtig ist, war dies bei Zwingli und vor allem Calvin schon ganz anders: Sie hatten ein rein symbolisches Verständnis der Gegenwart Jesu im Abendmahl.  Das gilt erst recht für die Freikirchen, die überall auf der Welt dabei sind die klassischen evangelischen Bekenntnisse zahlenmäßig zu überholen:  Für sie spielt die Feier des Abendmahls eine ganz nebensächliche Rolle. Die Hauptrolle spielen die Bibel und eine charismatische Interpretation des Christentums. Es geht hier nicht um „besser“ oder „schlechter“, sondern einfach um die Feststellung:  Es gibt verschiedene Ausprägungen des Christentums: Eine katholische und  orthodoxe Form und den vielgestaltigen Kosmos evangelischer Christen.

Vor einigen Wochen gab es große Aufregung um die Frage der möglichen  Zulassung evangelischer Ehepartner zur Kommunion. Manche Bischöfe wollten das unter bestimmten Bedingungen ermöglichen. Ich glaube schon, dass es Einzelfälle geben kann. Denke aber auch, dass eine falsche Dynamik entsteht, wenn man das in eine Regel fassen will.  Aus Einzelfällen wird der Normalfall und schließlich sagen die Leute: Es ist doch eh alles gleich. Was soll das Ganze? Die Evangelischen gehen bei uns zur Kommunion und die Katholiken gehen zum evangelischen Abendmahl……Direkt dazu noch einmal Kardinal Woelki: „Mancher meint: Was soll das Ganze? Das ist doch Quatsch. Andere meinen sogar. Das ist doch Kasperle Theater. Ich meine:  hier geht es um Leben und Tod. Hier geht es um Tod und Auferstehung. Hier geht es das ewige Leben, hier geht es um Christus. Hier geht es um seine Kirche und damit geht es hier um das Eingemachte. Und deshalb müssen wir uns darum streiten und den richtigen Weg suchen. Nicht irgendeinen Weg, sondern den Weg des Herrn!“

Auch damals – wir haben es vorhin gehört - haben die Leute gestritten. Wie ist das zu verstehen, was Jesus sagt? Ich habe den Eindruck, dass wir zu diesem Streit heute oft gar keinen Mut mehr haben. Den Weg des geringsten Widerstandes gehen und vor allem gelobt werden wollen, besonders von der Presse und der Öffentlichkeit. Und folglich eine „Ökumene der Nettigkeit“ praktizieren, die niemanden auf den Fuß treten will. Ich finde aber: Das geht nicht, wenn wir das heutige Evangelium, wenn wir unseren katholischen Glauben an die Eucharistie ernst nehmen. Es ist unehrlich und unaufrichtig zu sagen: Es ist ja alles gleich. Wer zur Kommunion geht, der sagt Ja zu Christus, zu seiner realen Gegenwart. Er sagt aber auch Ja zum Papst und Bischof, zur sakramentalen Struktur der Kirche, zum Priestertum, zu den Heiligen, zu dem Gebet für die Verstorben.

Es geht nicht darum, andere von etwas auszuschließen. Es geht aber um den Respekt dafür, was uns Katholiken seit den Tagen der Apostel „hoch und heilig“ ist: das Sakrament des Leibes und Blutes unseres Herrn.     

Amen

Martin Weber, Pfarrer

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