Memento mori -
denke daran, dass du einmal sterben musst!

Dieser Satz war unseren Vorfahren noch viel präsenter als uns. Und doch ist er bleibend aktuell. Es gehört zur conditio humana, dass wir sterbliche, vergängliche Wesen sind. Gerade das – so paradox es klingt - macht unsere Lebenszeit kostbar und einmalig. Keinen Augenblick können wir festhalten, keinen wiederholen. 

An amerikanischen Universitäten gibt es einen interessanten Brauch. Professoren werden eingeladen, ihre Erfahrungen oder die Quintessenz ihres Lebens und Forschens so zu präsentieren, als wäre das die letzte Vorlesung ihres Lebens, eine Art „last lecture“. Eine solche hielt auch der Informatikprofessor Randy Pausch. Bei ihm war die letzte Vorlesung wörtlich zu nehmen. Seine Ärzte hatten Bauchspeicheldrüsenkrebs bei ihm diagnostiziert. Dennoch hielt der dreifache Vater eine lebensbejahende Rede und ermutigte seine Zuhörer, ihre „Träume zu leben“. Drei seiner Einsichten möchte ich weitergeben.

Zuerst: „Wir können die Karten, die uns gegeben werden, nicht tauschen; wir müssen entscheiden, wie wir sie ausspielen.“ Es nützt nicht zu jammern, über das was wir nicht haben, aber es nützt viel, die Talente und Gaben, die wir haben als Trumpf einzusetzen.

„Erfahrung ist das, was du bekommst, wenn du nicht bekommst, was du willst.“ Enttäuschungen, Niederlagen, nichterfüllte Wünsche müssen nicht deprimieren, sie können mir helfen mein Leben anders anzupacken, innerlich zu wachsen. „Wenn dich keiner kritisiert, dann zeigt das, dass sie dich aufgegeben haben. Denn Kritik bedeutet, dass deine Leute dich immer noch liebhaben und du ihnen etwas bedeutest.“

Vielleicht das Schwerste: Auf Rückmeldungen, auch kritische hinhören und sie als Hilfe zu begreifen. Randy Pausch, der einige Monate nach dieser Vorlesung starb, erinnert in seiner „weltlichen“ Predigt uns Christen an Ureigenes. Denn wenn die Rede vom Gericht und davon, dass wir nach unserem Tod unserem Schöpfer begegnen werden, Sinn haben soll, dann doch sicher in dem Verständnis, dass wir uns schon jetzt fragen: Was ist wichtig in meinem Leben? Was sind meine Prioritäten? Wie nutze ich meine Talente und Begabungen? Wem habe ich Gutes getan und gedient? Woran bin ich gereift? Wie bin ich mit Niederlagen umgegangen? Wie habe ich als Mitmensch gelebt?

Wir feiern an diesem Sonntag Christkönig. Der letzte Sonntag des alten bevor dann mit dem ersten Advent das neue Kirchenjahr beginnt. Wir schauen hin auf diesen ungewöhnlichen Herrscher, der uns als Kreuzeskönig begegnet. Dieser Jesus ist zugleich der „Richter der Lebenden und der Toten“, wie wir im Credo bekennen. ER soll uns Leben prägen, ausrichten zum Guten hin. Mit dem Christkönig das „memento mori“ zu bedenken, heißt dann aber immer auch: Die Gewissheit zu haben, dass nichts bei Ihm verlorengeht, sondern hineingenommen ist in die große Ernte Gottes.

Ihr Martin Weber,
Pfarrer

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